Am Samstag, dem 24. Mai, kam es gegen 11:00 Uhr in der Mayener Innenstadt zu einem Vorfall, der inzwischen von der Polizei aufgenommen wurde und für große Betroffenheit sorgt. Nach Angaben der Beteiligten soll es im Bereich rund um die St.-Clemens-Kirche zu massiven Beleidigungen, einer Verfolgung sowie einer mutmaßlich homophob motivierten Bedrohung gekommen sein. Die Polizei Mayen hat Ermittlungen eingeleitet.
Nach Schilderung der Betroffenen begann der Vorfall gegen 10:55 Uhr auf dem Weg von der Straße „Am Brückentor“ in Richtung Marktstraße. Dort sollen sich drei junge Männer auf den Sitzbänken vor der St.-Clemens-Kircheaufgehalten haben. Einer der Männer, der von den Beteiligten als „Luca“ identifiziert wurde, soll eine Bierdose in der Hand gehalten haben und augenscheinlich alkoholisiert gewesen sein. Nach Angaben der Zeugen habe der Mann undeutlich gesprochen, gelallt und sich zunehmend distanzlos verhalten.
Im weiteren Verlauf soll der Mann einem der Betroffenen plötzlich den Weg versperrt und ihn direkt angesprochen haben. Nach Angaben der Beteiligten fragte er:
„Bist du nicht der von der … wie heißt das noch mal?“
Die Situation entwickelte sich laut Aussagen der Betroffenen innerhalb weniger Sekunden angespannt. Während einer der Beteiligten versuchte, die Situation zu beruhigen und zum Weitergehen aufforderte, soll der mutmaßliche Täter erklärt haben:
„Du bist doch gar nicht gemeint.“
Anschließend habe er seine Aufmerksamkeit erneut auf die andere Person gerichtet. Auf die Nachfrage, ob er alkoholisiert sei, habe der Mann nicht reagiert. Um eine Eskalation zu vermeiden, seien die beiden Betroffenen zunächst an ihm vorbeigegangen und hätten ihren Weg zügig fortgesetzt.
Nach ihren Angaben sei es kurz darauf jedoch zu ersten Beleidigungen gekommen. Demnach habe der Mann ihnen lautstark Aussagen wie
„Ey, der Bastard“
sowie
„Die Schwuchteln“
hinterhergerufen.
Besonders schwer wiegt nach Angaben der Beteiligten ein anschließender Wurf einer Bierdose in ihre Richtung. Die Dose habe die beiden zwar knapp verfehlt, jedoch seien Getränkereste auf die Kleidung der Betroffenen gelangt. Zusätzlich sollen aus Richtung der Sitzbank die Worte gefallen sein:
„Nicht getroffen. Scheiße.“
Die Situation habe sich danach weiter zugespitzt. Laut Aussagen der Betroffenen seien ihnen erneut mehrfach homophobe Beleidigungen hinterhergerufen worden. Nachdem einer der Betroffenen aus größerer Distanz verbal reagiert habe, sollen der mutmaßliche Täter sowie seine beiden Begleiter begonnen haben, den beiden Männern durch die Innenstadt zu folgen.
Nach Angaben der Betroffenen hielten die drei Männer aufgrund der zahlreichen Passanten zunächst Abstand, hätten die Verfolgung jedoch konsequent fortgesetzt.
Gegen etwa 11:05 Uhr entschieden sich die beiden Männer laut eigener Aussage schließlich zur Flucht. Sie liefen demnach durch die Fußgängerzone über die Rathausgasse bis zur Polizeidienststelle in der Rosengasse, um Schutz zu suchen.
Dort angekommen hätten sie sich zunächst kurz auf eine Sitzbank gesetzt, um sich zu beruhigen. Wenige Augenblicke später hätten sie jedoch bemerkt, dass die Gruppe ebenfalls die Rosengasse erreicht habe und direkt auf sie zukam. Daraufhin habe einer der Betroffenen sofort an der Tür der Polizeidienststelle geklingelt.
Noch bevor Polizeibeamte die Tür öffneten, soll es laut Aussagen der Beteiligten zu einer weiteren direkten Bedrohunggekommen sein. Der mutmaßliche Täter habe gefragt:
„Warum geht ihr jetzt zur Polizei?“
Im Anschluss daran soll er den Betroffenen gedroht haben:
„Wenn ich euch noch einmal sehe, werde ich euch ficken.“
Kurz darauf öffneten Polizeibeamte die Dienststelle und nahmen die beiden Männer auf. Der Vorfall wurde noch vor Ort protokolliert und polizeilich aufgenommen. Nach bisherigen Informationen sollen die beteiligten Personen nun zu weiteren Gesprächen vorgeladen werden.
Polizeihauptkommissar Markus Schön erklärte gegenüber der Presse, dass die Situation ernst genommen werde. Insbesondere mutmaßlich homophobe Bedrohungen und Einschüchterungen dürften nicht bagatellisiert werden. Der Vorfall zeige, wie wichtig es sei, entsprechende Straftaten konsequent anzuzeigen und öffentlich sichtbar zu machen.
Die Ermittlungen der Polizei dauern derzeit an. Weitere Angaben zu den beteiligten Personen oder möglichen strafrechtlichen Konsequenzen wurden bislang nicht veröffentlicht.
Adresse: Rosengasse 2, 56727 Mayen
Telefon: 02651 8010